63 Prozent der Deutschen haben keine Bestattungsvorsorge getroffen. Dabei ist die Planung der eigenen Bestattung zu Lebzeiten einer der wichtigsten Schritte, um Angehörige in einer ohnehin schweren Zeit zu entlasten — emotional wie finanziell. Seit die gesetzlichen Krankenkassen 2004 das Sterbegeld gestrichen haben, liegt die finanzielle Last einer Bestattung vollständig bei den Hinterbliebenen.
Dieser Ratgeber erklärt, welche Möglichkeiten der Bestattungsvorsorge es gibt, worin sie sich unterscheiden und wie Sie Schritt für Schritt vorsorgen können.
Warum Bestattungsvorsorge wichtig ist
Eine Bestattung in Deutschland kostet durchschnittlich 7.000 bis 13.000 Euro. Ohne Vorsorge müssen Angehörige diese Summe aufbringen und gleichzeitig unter Zeitdruck Entscheidungen treffen, die sie emotional belasten: Welche Bestattungsart? Welcher Friedhof? Trauerfeier ja oder nein? Sarg oder Urne?
Wer zu Lebzeiten vorsorgt, erreicht drei Dinge:
- Selbstbestimmung — Sie legen fest, wie Sie bestattet werden möchten
- Entlastung der Angehörigen — Ihre Familie muss keine schwierigen Entscheidungen treffen
- Finanzielle Absicherung — Die Kosten sind geregelt, bevor der Trauerfall eintritt
Die Bestattungsverfügung: Ihre Wünsche festhalten
Die Bestattungsverfügung ist ein Dokument, in dem Sie Ihre persönlichen Wünsche für die Bestattung schriftlich festhalten. Sie ist der erste und wichtigste Schritt der Vorsorge — und kostet nichts.
Was gehört in eine Bestattungsverfügung?
- Bestattungsart: Erdbestattung, Feuerbestattung, Seebestattung, Waldbestattung oder andere Formen
- Grabstätte: Bestimmter Friedhof, Bestattungswald, Seegebiet; Wahlgrab, Reihengrab oder anonyme Beisetzung
- Sarg oder Urne: Material, Ausführung, besondere Wünsche
- Trauerfeier: Religiös oder weltlich, Ort, Einladungskreis
- Musik: Bestimmte Lieder oder Stücke, live oder vom Tonträger
- Redner: Geistlicher, professioneller Trauerredner oder eine Vertrauensperson
- Blumenschmuck: Art und Umfang
- Kleidung: Was Sie tragen möchten
- Traueranzeige: Ob und mit welchem Text
- Totenfürsorgeberechtigter: Wer Ihre Bestattung organisieren soll
Ist die Bestattungsverfügung rechtlich bindend?
Ja, eine Bestattungsverfügung ist in Deutschland grundsätzlich rechtlich bindend, wenn sie eigenhändig unterschrieben und datiert ist. Eine notarielle Beurkundung ist nicht erforderlich, wird aber empfohlen, da sie die Echtheit des Dokuments absichert und spätere Anfechtungen erschwert.
Wichtig: Die Bestattungsverfügung ist ein eigenständiges Dokument. Es ist nicht möglich, Bestattungswünsche wirksam in einer Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht festzuhalten — diese betreffen ausschließlich Entscheidungen zu Lebzeiten.
Wo die Bestattungsverfügung aufbewahren?
Bewahren Sie die Bestattungsverfügung dort auf, wo Ihre Angehörigen sie schnell finden können:
- Bei den persönlichen Unterlagen zu Hause (Versicherungsordner, Dokumentenmappe)
- Bei einer Vertrauensperson — Kinder, Partner, enge Freunde
- Beim Bestattungsinstitut, mit dem Sie einen Vorsorgevertrag geschlossen haben
- Beim Notar oder Rechtsanwalt
Nicht im Bankschließfach! Nach dem Tod dauert es oft Wochen, bis Erben Zugang zum Schließfach erhalten — dann ist die Bestattung längst vorbei. Informieren Sie mindestens eine Vertrauensperson über den Aufbewahrungsort.
Der Bestattungsvorsorgevertrag: Wünsche und Finanzierung verbinden
Ein Bestattungsvorsorgevertrag geht einen Schritt weiter als die Bestattungsverfügung. Er ist ein Vertrag mit einem konkreten Bestattungsinstitut, der sowohl Ihre Wünsche als auch die Finanzierung regelt.
Was beinhaltet der Vertrag?
- Detaillierte Leistungsbeschreibung: Alle gewünschten Leistungen werden einzeln aufgeführt und bepreist — von der Überführung über den Sarg bis zur Trauerfeier
- Finanzierungsmodell: Wie die Kosten abgesichert werden (Treuhandkonto oder Sterbegeldversicherung)
- Preisgarantie: Bei vielen Anbietern werden die vereinbarten Preise garantiert, unabhängig von künftigen Preissteigerungen
- Totenfürsorgerecht: Wer im Todesfall die Organisation übernehmen soll
Das Treuhandkonto: Die sichere Variante
Beim Treuhandmodell zahlen Sie eine Einmalsumme auf ein zweckgebundenes Treuhandkonto ein, das von einem unabhängigen Treuhänder verwaltet wird. In Deutschland nutzen fast 90 Prozent der organisierten Bestatter die Deutsche Bestattungsvorsorge Treuhand AG als Treuhänder.
Vorteile des Treuhandkontos:
- Das Geld ist zweckgebunden und wird im Todesfall direkt an den Bestatter ausgezahlt
- Die vereinbarten Leistungen sind durch eine Preisgarantie gegen Inflation geschützt
- Das Geld wird als Schonvermögen anerkannt — selbst bei Bezug von Sozialleistungen oder Pflegeheimkosten darf das Sozialamt in der Regel nicht darauf zugreifen (Freibetrag ca. 4.500 bis 4.600 Euro für Bestattungsvorsorge, zusätzlich zum allgemeinen Schonvermögen von 10.000 Euro)
- Keine laufenden Zahlungen oder Kündigungsrisiken
- Sofort verfügbar im Todesfall — ohne Wartezeit
Wichtiger Hinweis: Der Bundesgerichtshof hat 2025 entschieden, dass Bestattungsvorsorge-Treuhandverträge im Insolvenzfall des Einzahlers nicht vollständig pfändungsgeschützt sind. Wer sich Sorgen über eine mögliche Insolvenz macht, sollte sich rechtlich beraten lassen.
Sterbegeldversicherung: Die Alternative mit Ratenzahlung
Eine Sterbegeldversicherung ist eine Kapitallebensversicherung, die im Todesfall eine festgelegte Summe an die Hinterbliebenen auszahlt — typischerweise zwischen 3.000 und 12.000 Euro. Die Versicherungssumme wird zur Deckung der Bestattungskosten verwendet.
Wie funktioniert sie?
- Sie zahlen monatliche Beiträge über einen festgelegten Zeitraum (oft bis zum 85. Lebensjahr)
- Im Todesfall wird die vereinbarte Summe an die Begünstigten ausgezahlt
- Die meisten Policen werden ohne Gesundheitsprüfung angeboten
- Dafür gilt in der Regel eine Wartezeit von 12 bis 36 Monaten — stirbt der Versicherte in dieser Zeit, werden nur die eingezahlten Beiträge (teilweise) zurückerstattet
Für wen lohnt sich eine Sterbegeldversicherung?
Die Sterbegeldversicherung eignet sich vor allem für Menschen, die keine größere Einmalsumme aufbringen können und stattdessen monatlich vorsorgen möchten. Je jünger Sie beim Abschluss sind, desto niedriger sind die monatlichen Beiträge.
Rechenbeispiel: Eine 55-jährige Person zahlt etwa 32 Euro monatlich für eine Versicherungssumme von 8.000 Euro (Zahlungsdauer bis 85 Jahre). Über 30 Jahre sind das insgesamt 11.520 Euro — deutlich mehr als die Auszahlung.
Sterbegeldversicherung vs. Treuhandkonto
| Merkmal | Sterbegeldversicherung | Treuhandkonto |
|---|---|---|
| Zahlung | Monatliche Beiträge | Einmalzahlung |
| Verfügbarkeit | Wartezeit 12–36 Monate | Sofort verfügbar |
| Preisgarantie | Nein | Ja (bei Vorsorgevertrag) |
| Wirtschaftlichkeit | Bei spätem Abschluss oft unwirtschaftlich | In der Regel wirtschaftlicher |
| Zweckbindung | Nein — freie Verwendung durch Erben | Ja — nur für Bestattung |
| Ideal für | Jüngere ohne Kapital | Ältere mit verfügbarem Kapital |
Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass sich Sterbegeldversicherungen bei Abschluss im höheren Alter häufig nicht lohnen, da die Summe der eingezahlten Beiträge die Auszahlung übersteigen kann.
Bestattungsvorsorge und Patientenverfügung
Die Bestattungsvorsorge steht nicht allein — sie ist Teil eines umfassenden Vorsorgepakets. Diese drei Dokumente sollten idealerweise gemeinsam erstellt werden:
| Dokument | Regelt | Gilt |
|---|---|---|
| Patientenverfügung | Medizinische Behandlung bei Entscheidungsunfähigkeit | Zu Lebzeiten |
| Vorsorgevollmacht | Wer in Ihrem Namen entscheiden darf | Zu Lebzeiten |
| Bestattungsverfügung | Bestattungsart, Trauerfeier, Grabstätte | Nach dem Tod |
Wer hat das Totenfürsorgerecht?
Wenn der Verstorbene niemanden bestimmt hat, gilt folgende gesetzliche Reihenfolge:
- Ehepartner oder eingetragener Lebenspartner
- Kinder (einschließlich Adoptivkinder)
- Eltern
- Großeltern
- Enkelkinder
- Geschwister
- Neffen und Nichten
Durch eine Bestattungsverfügung können Sie diese Reihenfolge ändern und eine andere Person mit der Organisation Ihrer Bestattung beauftragen.
Schritt für Schritt: So gehen Sie vor
1. Wünsche klären
Überlegen Sie in Ruhe, wie Sie sich Ihre Bestattung vorstellen. Sprechen Sie mit Ihrer Familie darüber — auch wenn das Thema schwerfällt. Informieren Sie sich über die verschiedenen Bestattungsarten und deren Kosten.
2. Bestattungsverfügung schreiben
Halten Sie Ihre Wünsche schriftlich fest. Unterschreiben und datieren Sie das Dokument. Informieren Sie eine Vertrauensperson über den Aufbewahrungsort.
3. Bestattungsinstitut auswählen
Wählen Sie ein Bestattungsinstitut in Ihrer Nähe, dem Sie vertrauen. Lassen Sie sich zu den Leistungen und Kosten beraten. Auf Bestatter-Index.de können Sie Bestatter in Ihrer Region vergleichen.
4. Vorsorgevertrag abschließen
Schließen Sie einen Bestattungsvorsorgevertrag ab und wählen Sie die passende Finanzierung — Treuhandkonto bei verfügbarem Kapital oder Sterbegeldversicherung bei gewünschter Ratenzahlung.
5. Dokumente sicher aufbewahren
Legen Sie alle Dokumente — Bestattungsverfügung, Vorsorgevertrag, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht — an einem Ort ab, der Ihren Angehörigen bekannt und zugänglich ist.
Fazit
Bestattungsvorsorge ist kein Zeichen von Pessimismus, sondern ein Akt der Fürsorge. Sie schenken Ihren Angehörigen die Sicherheit, in einer schweren Zeit die richtigen Entscheidungen zu treffen — weil Sie diese Entscheidungen bereits selbst getroffen haben. Die Bestattungsverfügung als ersten Schritt können Sie noch heute erstellen. Sie brauchen dafür nur ein Blatt Papier, einen Stift und etwas Ruhe.